River Ganga Foundation
Zusammensein im Internet-Satsang
27. Mai 2007


Nun, Hallo und seid willkommen. Ich würde ja gerne „schönen Nachmittag“ wünschen, aber ich denke es ist nur „schöner Nachmittag“ hier in Ojai, und vermutlich nicht für die meisten von euch. Aber ich freue mich euch alle hier zu sehen, und ich bin glücklich mit euch zusammen zu sein. So, lasst mich anfangen.

Mir wurde im Laufe dieser Treffen klar — insbesondere bei diesen Treffen mit einer Mischung von Menschen, von denen einige schon mit mir zusammen waren und einige bisher nicht — dass ich eigentlich immer wieder von vorne anfange. Manchmal versuche ich es etwas anders auszudrücken. Ich versuche es nicht langweilig werden zu lassen, aber wirklich, ich fange im Grunde immer wieder von vorne an.

Ich möchte über Selbst-Erforschung sprechen. Der Grund, warum ich über Selbst-Erforschung sprechen möchte, ist, dass meiner Erfahrung nach die Selbst-Erforschung alles Elend im menschlichen Leben beendet. Sie beendet das Gefühl in diesem Leben fremd zu sein, sie beendet das Gefühl unerfüllten Herbeisehnens — das Gefühl etwas stehe auf dem Spiel, das Gefühl Leben sei tödlich ernst und traurig.

So will ich über Selbst-Erforschung sprechen, und ich komme nun zu dem Punk wo ich immer beginne, mit dieser Lüge, weil diese Lüge das einzige Problem ist. Diese sich durch fast alle spirituellen Praktiken und Traditionen dieser Welt ziehende Aussage, dass wir nicht das sind, was wir glauben zu sein, und dass dieses Missverständnis darüber, was wir sind, das Herz dieses Gefühls ist „hier gibt es ein Problem, in meinem Leben ist ein Problem.“ So beginne ich mit dieser Lüge. Es ist wichtig zu erkennen was da behauptet wird, was die Wahrheit sein muss, damit Selbst-Erforschung das ist was sie verspricht zu sein. Wenn die Methode der Selbst-Erforschung wahr ist, dann muss es wahr sein, dass das Problem (die Lüge) weichen muss. Und diese Lüge ist der Glaube, dass ich mein Leben bin. Es ist wirklich so einfach.

In uns allen ist dieses tief verwurzelte, unsichtbare, unbewusste, nicht für sich erkennbare, treibende Glaube „Ich bin mein Leben“; das was in meinem Leben geschieht, geschieht mir, und das was aus meinem Leben entspringt, entspringt aus mir. Dass die Freude und der Schmerz in meinem Leben meine Freude und mein Schmerz sind, und noch grundlegender, dass ich in diesem Leben selbst auf dem Spiel stehe. Und dass ich dieses Leben richtig verstehen muss; ich muss die richtigen Gedanken haben, und nicht die falschen Gedanken; die richtigen Wünsche, und nicht die falschen Wünsche. Ich muss gut sein und nicht schlecht, ich muss tüchtig sein, ich muss klar sein, ich muss alles verstehen. Es steht hier etwas für mich auf dem Spiel, und alles was in diesem Leben passiert, passiert mir. Das ist der Glaube „Ich bin mein Leben“. Und wenn es wirklich wahr ist, dass ich mein Leben bin, dann ist es sicher, dass es nichts gibt was getan werden könnte meinen Schmerz zu lindern. Wenn ich mein Leben bin, kann nichts gegen dieses immerwährende unterschwellige Gefühl getan werden, dass mir etwas fehlt. Aber es ist die Behauptung aller spirituellen Traditionen — und im Besonderen, auf einfache und direkte Weise, die Lehre von Ramana Maharshi — das ich nicht mein Leben bin, und, kann ich mich von diesem Glauben „Ich bin mein Leben“ befreien, die mir innewohnende Liebe und Friede vorherrschen wird.

Und so sagt uns Ramana, dass die Lösung für diese Lüge, die Lösung für diesen Irrglauben „mein Leben zu sein“, die Wahrheit ist. Dass die Wahrheit darüber, was ich wirklich bin, das ist, was die Lüge beseitigt. Die Wahrheit beseitigt die Lüge. Und das ist der Grundgedanke, der Ramana Maharshis Selbst-Erforschung unterliegt. Ramana Maharshi sagt uns, dass das was Selbst-Erforschung vollbringen kann, unsere Befreiung von diesem Glauben ist unsere Leben zu sein, und dass sie darin unfehlbar ist. Die Wahrheit darüber herauszufinden, was ich bin, ist die einzige Möglichkeit die dies bewirken kann. Und Ramana bietet uns zwei scheinbar unterschiedliche Wege an diese Selbst-Erforschung zu betreiben. Ein Weg ist es zu erkunden, was nichts anderes als erforschen ist, meine bewusste Aufmerksamkeit zu nutzen, um zu sehen, schmecken, fühlen, mich zu konfrontieren, zuerst vor allem mit der Natur von dem, was das ist, das ich glaube selbst zu sein – was ist im Innersten, im Kern dieser Person, dieses Individuums? Wer ist der, der dieses Leben im Geist auslebt? Was ist wirklich das Herzen von „mich“? Was ist dieses „mich“wirklich? Und Ramana legt uns nahe, dass, auf alle Fälle, wann immer etwas geschieht, ob ein Gedanke auftaucht oder vergeht, ob eine Erfahrung auftaucht oder vergeht, immer da diese Person ist (dieses „mich“), und es immer für mich möglich ist das Licht meiner Aufmerksamkeit auf diese Erfahrung zu lenken, ein Individuum zu sein, eine Person die Subjekt zu den Wechselfällen des Lebens ist, Subjekt zu den Veränderungen, den Freuden und Schmerzen des Lebens. Wir können das Licht unserer Aufmerksamkeit auf diese Erfahrung richten, dieses „mich“ zu sein, und sehen was es ist. Und im Erfolg des Findens dieser Erfahrung „mich zu sein", mit dem Licht meiner Aufmerksamkeit, finde ich immer wieder heraus, dass es da kein solches Ding zu finden gibt — es ist eine Erdichtung, es ist nur ein Gedanke. Und wenn ich das Licht meiner Aufmerksamkeit auf diesen Gedanken richte, enthüllt er sich überhaupt nicht zu sein; er hört einfach auf, er verschwindet. Das ist die eine Weise auf die Ramana Maharshi die Selbst-Erforschung lehrte. Es ist das Hineinforschen und die Entdeckung der wirklichen Natur dessen was ich glaube zu sein, und zu erkennen, dass es nicht ist, also von der Idee des „mich“ befreit zu werden.

Der andere, dem Augenschein nach verschiedene Zugang zur Selbst-Erforschung, welcher ebenso von Ramana Maharshi kommt, ist, statt die dem Individuum (für das ich mich halte) zugrunde liegende Falschheit zu entdecken, die tatsächliche Wahrheit dessen zu enthüllen was ich bin. Das ist das Licht meiner Aufmerksamkeit nicht auf das Falsche zu richten, sondern auf das Wirkliche; mit ganzem Herzen, mit jedem Atemzug, mit jedem Gedanken, einen Weg zu suchen meine Aufmerksamkeit zu wenden, und mit dem Licht meines Bewusstsein die tatsächliche Wirklichkeit von dem was ich bin zu finden. Weil, schaue ich oft genug auf diese Wirklichkeit dessen was ich bin, unvermeidlich und sicher, (ohne jede Frage oder was auch immer), vergeht die Frage, dass ich etwas anderes wäre. Sie kann nicht überleben. So, bei dieser Methode der Selbst-Erforschung wende ich mein Bewusstsein, meine Aufmerksamkeit, und das Licht meiner Gewissheit, so gut ich kann, um zu sehen was ich bin. Sehen, darüber nachdenken, wirklich auch darüber nachdenken. Zu versuchen dahinter zu kommen, um was auf der Welt kann ich zu dieser Erfahrung kommen was ich bin? Dies im Angesicht des Kriteriums das Wirklichkeit auszeichnet, welches ihre Permanenz ist, sie nicht kommt und geht, sie verlässlich ist. So, das sagt mir, dass das wonach ich suche, wenn ich nach Wirklichkeit suche, Permanenz ist — hier ist etwas das sich nie verändert hat, das immer gleich ist. Etwas, das von Schmerz und Freude unberührt ist, das genau gleich ist, gleich war, als ich 3, oder 5, oder 15 Jahre alt war: unberührt, unangetastet von jedweder Veränderung des menschlichen Lebens. Immer gleich — in Frieden, still, klar.

Es läuft selbstverständlich darauf hinaus, dass beide dieser Methoden der Selbst-Erforschung sich am Ende als exakt dieselben herausstellen. Wenn ich auf eine Erscheinung schaue, einen Gedanken von dem ich glaube „er ist mich“, von dem ich glaube, dass er die Essenz dieser Person ist, von der ich weiß "ich bin sie", wenn ich also auf diesen Gedanken schaue und er sich auflöst, verbleibt das was sich nicht auflöst — was genau dieselbe permanente Wirklichkeit ist, die ich schaue, suche ich mit all meinem Herzen die tatsächliche Wirklichkeit „dessen was ich bin“ direkt zu finden. Also, suche ich nach dem Falschen, finde ich das Wahre, und suche ich nach dem Wahren, finde ich das Wahre. Und es ist das, was das Ergebnis von Selbst-Erforschung bewirkt: es ist nichts anderes als die direkte, bewusste Erfahrung der Wirklichkeit dessen „was ich bin“ gemacht zu haben. Und diese löscht das Falsche aus, mit der Zeit, und es spielt keine Rolle wie ich dort hinkomme, mit welchen Mitteln es mir gelingt die Wirklichkeit selbst bewusst zu sehen. Es spielt keine Rolle, ob ich nach der Wirklichkeit suche, oder ob ich nach der Falschheit suche. Wenn ich zu dieser Wirklichkeit komme, dessen was hier ist, erledigt das den Rest. Das einfache Sehen der Wirklichkeit, wieder und wieder, erodiert, verdampft, zerstört, zersetzt, mit der Zeit, den Irrglauben mein Leben zu sein, meine Gedanken, meinen Verstand, meine Tätigkeiten, meine Erlebnisse. Dieses Schmecken der Wirklichkeit löscht diesen Glauben aus. Es ist dieses Auswischen, die Vernichtung dieses Glaubens, der in Verbindung mit diesem Vorgang dieses tief wurzelnde Gefühl vernichtet, dass ich in diesem Leben etwas auf Spiel setze, dass ich ein Wagnis eingehe, in Gefahr bin oder in diesem Leben versage. Dann, in der Abwesenheit dieses Glaubens, dass ich das Leben bin, und dass ich in diesem Leben etwas aufs Spiel setze, läuft es ziemlich überraschend darauf hinaus, dass ich mich selbst völlig entspannt in dieses Leben selbst eingetaucht wieder finde — ich, vertrauter als ich mir je vorstellen konnte, in dieses Leben falle, mich in dieses Leben hinein auflöse. Weil das Problem nicht das Leben selbst ist, das Problem nicht das Gefühl der Trennung ist, das Problem nicht die Höhen und Tiefen der Wechselfälle dieses Lebens sind, das Kommen und Gehen des Lebens. Das Problem ist der Glaube, dass ich dieses Leben bin. Das Leben selbst ist wertvoll über alle Vorstellungskraft hinaus. Es ist ein Geschenk an mich selbst das größer ist als alles was ich mir vorstellen kann. Das Leben der Menschheit ist großartig über alle Beschreibung hinaus, und das erkenne ich, zu dem Zeitpunk, gebe ich die Idee auf, dass es mich ist.

Nun, das ist der Zweck der Selbst-Erforschung. Jedes Mal wenn ich mit Menschen darüber spreche erstaunt es mich immer wieder, dass ich so lange reden kann, und am Ende weiß ich, das ich in keiner Weise dem nahe kam was ich euch sagen wollte, denn wenn ich darüber spreche scheint es mir so einfach und offensichtlich. Es ist so einfach, dass ich nicht weiß wie ich es noch sagen soll. Ich weiß, dass es eine Zeit gab in der ich das spirituelle Melodrama genoss, als ich wusste wie schwer es war, als ich mich anspannte und mit all meinem Geist versuchte es zu greifen, zu empfangen, gehoben zu werden, transformiert zu werden oder verwandelt zu werden, von was auch immer es war über das die spirituelle Diskussion lief. Und ich weiß, es schien nicht einfach zu sein; es schien unvorstellbar schwer zu sein. I konnte mir keine Vorstellung darüber machen was irgendwer darüber erzählte. Und nun ist es so einfach und so offensichtlich; was du suchst ist was du bist. Es ist so einfach. Was du suchst hat nichts damit zu tun, etwas an deinem Leben zu verändern. Auch hat es nichts damit zu tun, nichts an deinem Leben zu verändern. All das geht an der Sache vorbei. Nichts von all dem hat irgendetwas mit dir zu tun.

Und am Ende erkannte ich, dass die Realisierung, die das Ergebnis der Selbst-Erforschung ist, wie ein Schwarm Termiten agiert der die Tragstruktur eines Hauses auffrisst. Die Erforschung, dieses permanente Schmecken der Wirklichkeit dessen was du bist, wenn auch nur für eine Sekunde, selbst wenn du nicht weißt was du da tust, die kleinen Bisschen und Stückchen der Berührung mit Wirklichkeit, sind wie Termiten in der Tragstruktur deines Hauses. Sie fressen fleißig alles auf, die ganze Tragstruktur, die vollständige Grundlage des Glaubens, dass du ein leidendes Individuum bist. Sie essen sie einfach auf. Du weiß nicht was da passiert, es scheint als wäre alles beim Alten; es scheint als wärst du auf ewig in diesem spirituellen Melodrama (oder materiellem Melodrama) gefangen, von wollen und nicht bekommen, bis du dich eines Tages umschaust und sagst: „Junge, es ist nun lange her, dass ich etwas anderes als Leichtigkeit des Seins verspürt habe!“ Das ist, weil die Termiten ihr Werk vollendet haben, völlig unbemerkt von dir, ohne Rücksicht auf dich.

Selbst-Erforschung, Wirklichkeit, ist das einzige was die Lüge besiegen kann. Wirklichkeit. Und du bist die Wirklichkeit. Es ist einfach, so einfach.

 

© 2007 John Sherman. Alle Rechte vorbehalten.

Übertragen ins Deutsche von Tobias Knittel.

 

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