River Ganga Foundation

Zusammensein im Satsang in Santa Monica, Kalifornien, 18. März 2007

 

Seid willkommen. Guten Abend. Je länger ich dies betreibe, so einfacher scheint es. Zuerst lasst mich sagen um was es geht, besonders da ich hier einige sehe, von denen ich denke, dass  sie noch nie zuvor hier waren. Hier teile ich die Erkenntnis Ramana Maharshis mit, und diese Erkenntnis überrannte ihn sehr früh in seinem Leben, und hat wirklich nicht viel mit spirituellen Werten zu tun. Auch wenn sie natürlicherweise in einem spirituellen Umfeld erscheint, aufgrund seines Lebensumfeldes, was seine Familie darstellte und so weiter; er selbst verfügte nur über einen minimalen spirituellen Hintergrund. Er selbst war ein Teenager, ein sechzehnjähriger Junge, und hatte diese Erkenntnis nicht auf Grundlage einer spirituellen Übung, eines spirituellen Trainings oder eines bestimmten spirituellen Verständnisses erlangt. Sie übermannte ihn einfach im Angesicht von Todesangst. Und ihr werdet erkennen, dass diese Erkenntnis in ihrer Essenz selbst die Grundlage fast aller spirituellen Lehren darstellt. Alle diese Techniken, Lehren, Traditionen tragen in ihrem Herzen dieselbe Erkenntnis, auch wenn dies manchmal schwer zu erkennen ist, ist sie doch oft durch spirituelle Interpretationen umzingelt und überfrachtet; aber ihr werdet dies vielleicht trotzdem erkennen. Ramanas Erkenntnis sieht so aus: das einzige Problem in der ganzen menschlichen Existenz ist ein Irrglaube darüber was wir sind; die einzige Lösung dafür ist die Wahrheit. Es ist so einfach. Da ist nicht mehr dran als das. Natürlich ist die Wahrheit darüber, was wir sind, selbst erschreckend einfach. Es ist nicht schwer zu begreifen. Es bedarf dazu keiner lebenslänglichen verdienstvollen Übung. Es bedarf dazu keines fortgeschrittenen und tiefen Einblicks in die Natur der Realität. Es bedarf dafür keiner Übung und jahrelanger Meditationspraxis. Weil, das was du bist, hier ist. Immer. Nie abwesend, nie fehlend, nie schwer, nie weit. Du bist es. Hier. Immer. So, das ist die erstaunlich einfache Basis dessen, was Ramana Maharshi Selbst-Erforschung (oder zumindest übersetzen wir es so) nannte, oder atma vichara, was nichts anderes als die Praxis des Schauens auf dich selbst ist, hier, jetzt, in diesem Moment. Es ist überhaupt nicht kompliziert, nichts was besonders spirituell wäre, nichts spezielles überhaupt, nur die direkte Selbstbetrachtung, die Absicht zu sehen, was du bist, hier, in diesem Moment, gerade jetzt, wiederholt.

Es ist Ramanas Einsicht und Ramanas Behauptung, dass, wenn wir dies tun, wenn wir danach schauen, was wir sind, was wirklich einfach ist — das ist der einfache Part, der schwierige ist darüber zu sprechen —  wenn wir schauen, was wir sind, so oft wir können, wird das, und das alleine, den Irrglauben hinwegfegen, entfernen, vernichten, dass wir etwas anderes wären, wie zum Beispiel unser Leben, was dasjenige ist was wir zumeist glauben zu sein. Nichts anderes kann dies bewirken. Es gibt nichts anderes was wir in unserem Verstand oder unserem Leben tun könnten, in diesem Apparat den wir glauben zu sein, das uns von diesem Glauben befreien könnte dieser Apparat zu sein. Ich meine das ist irgendwie offensichtlich, richtig? Alles, was wir innerhalb dieses Apparates tun, kann nur den Glauben, dieser Apparat zu sein, erweitern und stärken. Wir können uns nicht von dieser falschen Vorstellung befreien indem wir den Geist beruhigen, mit dem Denken aufhören, unsere neurotischen Verhaltensweisen und Tendenzen beruhigen oder heilen. Wir können uns durch nichts von diesem Irrglauben befreien, das wir tun um diesen Apparat zu verbessern, zu verändern oder zu erneuern, der wir glauben zu sein. Es kann uns nicht schaden dies zu tun, aber es kann uns auch nicht helfen.

Die einzige Sache die den Glauben, dieser Apparat zu sein, ausrotten kann, ist das wiederholte direkte, unmittelbare Betrachten dessen, was wir wirklich sind. Und wir haben ein paar Anhaltspunkte und Fingerzeige, was das ist, nach dem wir suchen. Es ist das was permanent ist, das was nicht kommt und geht, das was sich nicht verändert, das was von allen Stürmen und Dramen dieses Apparates selbst unberührt bleibt. Es ist das, was jetzt so gleich ist wie als ich 3, 5, oder 10 Jahre alt war. Es ist diese Gewissheit, dass ich hier bin — diese absolute klare, offensichtliche Sicherheit, dass ich bin. Es ist einfach diese zu erkennen. Niemand, nicht einmal du selbst, kann dich davon überzeugen, dass du nicht existierst. Es ist nicht möglich für dich dies zu tun. Es ist für dich möglich dich davon zu überzeugen, dass ich nicht existiere, dass ich nicht hier bin. Ich meine, ich bin letztendlich nur eine reine Einbildung in deinem Geist, eine Erscheinung. Aber du kannst nie davon überzeugt werden, dass du nicht existierst. Nichts kann dich davon überzeugen. Es gibt nicht einmal die Möglichkeit, dass du überhaupt überzeugend sagen könntest „Ich bin nicht.“ Das ist  lächerlich, im Angesicht dieser Gewissheit zu sein. So, das Zielobjekt der Untersuchung, das Zielobjekt der Nachforschung, das gemeint spricht Ramana von „schaue nach dir selbst“, ist verfügbar, in diesem Augenblick, als die Erfahrung dieser Gewissheit. Keine Geschichte darüber, aber ihre Wirklichkeit; diese Gewissheit, dass „ich bin“.

Wenn du das wiederholt tust, immer wenn dir die Möglichkeit dazu erscheint, ist das Versprechen, dass sich nach und nach der Glaube, dass du dein Leben bist, auflöst; und mit ihm wird die Gesamtheit des Eindrucks verschwinden, dass für dich in diesem Leben etwas auf dem Spiel steht, was selbstverständlich die Ursache für all die Probleme ist: die Idee, dass in diesem Leben etwas für dich auf dem Spiel steht, das du es richtig verstehen musst, dass du immer Recht haben musst, dass du böse Gedanken verscheuchen und loswerden musst, das du dich an gute Gedanken anschmiegen und sie festhalten musst. Du musst Verständnis haben, du musst klar sein, du musst gut sein, und du musst rechtschaffen sein. All diese Vorstellungen, welche selbst die Kräfte sind, die in uns den Krieg „dies“ gegen „das“ hervorrufen: „Ich will dies, ich will nicht das.“ Alles davon entsteht aus dieser unsichtbaren, unausgesprochenen, unbewussten Überzeugung, dass ich mein Leben bin, was entschuldigt werden kann, aber es ist einfach nicht wahr.

Man braucht dazu kein Mönch werden. Du kannst ein Mönch werden, aber es erfordert dies nicht. Du brauchst nicht jede wache Stunde, jede Sekunde, nach dir zu schauen. Du kannst das tun, aber es erfordert dies nicht. Es bedarf nur folgendem: immer, wenn es dir möglich erscheint, halte für eine Sekunde inne, und sage zu dir „Was bin ich? Wie fühlt es sich an hier zu sein?“ nicht in der Weise, dass du erklären kannst wie es sich anfühlt hier zu sein, aber in der Weise, dass du deine bewusste Aufmerksamkeit auf diese Erfahrung richtest, hier zu sein — weil das der Geschmack von dem ist das diese Falschheit beseitigt.

Nun, das ist wirklich einfach. Es ist sehr viel einfacher, und es ist sehr viel einfacher getan als gesagt. Und ich habe ungefähr 10 Minuten gebraucht, über etwas zu sprechen, das wirklich sehr einfach ist. Auf dieser einfachen Einsicht wurden Religionen errichtet. Praktiken, langwierige Praktiken, lebenslängliche Praktiken wurden unnötigerweise auf dieser einfachen Einsicht gegründet. Aber es ist sogar noch einfacher. Und, natürlich, je einfacher es ist, umso tragischer ist das Elend, das das Menschengeschlecht bedrängt, weil Tragödie das Elend ist, das jemandem zustößt, der nichts dazu beigetragen hat es zu verdienen; Elend das in Verhältnissen widerfährt unter denen es einfach hätte abgewendet werden können.

Ich las etwas über das Christentum — die Religion, nicht die Lehre, welche wenig mit Christus zu tun hat. So rede ich hier nicht über Christus. Aber ich las darüber, wie sich das Christentum unglaublich schnell ausbreitete, wie ein Lauffeuer, hatte dieser Prozess einmal begonnen. Und der Grund dafür, wurde ich belehrt, war die virusartige Natur der Verbreitung des Christentums. Es ist einfach, richtig? Da gibt es diese Idee, dass du Errettung brauchst, dass du Erlösung brauchst, und dass der Weg zu dieser Erlösung ist, anzuerkennen, dass Jesus Christus für deine Sünden gestorben ist, und dass du dadurch schon erlöst bist. Und all das hat in dieser inneren gefühlsmäßigen Erfahrung zu geschehen, in der du die Wahrheit des Opfers, das Christus für dich erbrachte, anerkennst. Und, wenn diese Zeremonie geschieht, wird dies auf solch eine Weise weitergegeben, dass es ein unglaublich befriedigendes emotionales Erlebnis hervorruft, das spirituell genannt wird, da es in einem spirituellen Rahmen stattfindet.

So brauchte z.B. kein Mensch nach Jerusalem zu kommen, um Shaktipat zu empfangen, oder eine notwendige Instruktion in die Grundlagen des Christlichen Glaubens zu erhalten, weil jeder ihn verbreiten konnte, jeder. Paul reiste eine Weile herum und verbreitete ihn an all den verschiedenen Orten durch die er kam, und damit waren die Menschen die dort lebten befähigt ihn selbst weiterzugeben, weil es eine wirklich einfache Sache war ihn weiterzuvermitteln — hast du es einmal begriffen, ist es wirklich einfach zu vermitteln. Und ich dachte mir „Ich wundere mich, warum nicht das, ist es doch viel einfacher, und wirklich das Herz der ganzen Sache, nicht auch so einfach weitergebbar, wie ein Virus über die ganze Menschheit verbreitbar sein sollte?“ Und, wie ich darüber nachdachte, kam mir, dass einer der Gründe natürlich der war, dass es schien so etwas wie ein spirituelles Training zu erfordern, um überhaupt den Vorschlag, der Selbst-Erforschung beinhaltet, begreifen zu können. Du brauchst eine gewisse Vertrautheit mit dem spirituellen Bereich, bevor ich mit dir darüber sprechen kann, dass du nicht das bist, was du glaubst zu sein. Wenn ich damit in eine Sportlerkneipe gehen würde, würde ich vielleicht nicht diese Aufnahmebereitschaft vorfinden, wie ich sie unter euch erhalte, die ihr über einen gewissen spirituellen Hintergrund verfügt. Aber dann erkannte ich, dass es sogar noch einfacher ist, es braucht wirklich nicht einmal das. Es braucht keine Kenntnis des Selbst, es braucht kein Verständnis darüber, dass es spirituell sei, es braucht überhaupt kein Verständnis, dass es in einem spirituellen Umfeld entstand. Alles was es wirklich braucht ist es jemanden (das ist das Versprechen, das ist die Behauptung) die direkte, ungeteilte Erfahrung „zu sein“ zu vermitteln. Du brauchst nicht einmal zu wissen was „Sein“ ist.

Du weißt, dass du bist. So, du bist hier draußen in der Welt, du hast Familie und Freunde, und diese Menschen befinden sich z.B. in einer Krise psychischer Qual, Tortur... es genügt einfach zu sagen „Warte eine Sekunde! Ich erzähle dir wie du dich für eine Sekunde besser fühlen kannst. Es wird nicht anhalten, aber du kannst dich für eine Sekunde besser fühlen. Halte nur für eine Sekunde inne, und schaue ob es nicht wahr ist, dass du hier bist. Nur für eine Sekunde, ohne auf all die Qual zu achten. Weiß Gott, ob es wirklich wichtig ist ihr Aufmerksamkeit zu schenken, aber nur für eine Sekunde, beachte sie einfach nicht, und schaue ob oder ob es nicht wahr ist, dass du hier bist. Und spüre wie es sich anfühlt hier zu sein.“

Es ist also einfacher als ich es ja ausgedrückt habe. Und je länger ich dies tue, desto einfacher sehe ich es. Du brauchst überhaupt nichts. Du brauchst Ramana Maharshi nicht zu kennen. Du brauchst nicht einmal etwas von Ramana Maharshi gehört zu haben. Du brauchst keine Meditationsglocken. Du brauchst kein „Namaste“ oder sonst etwas. Alles was du tun musst ist eine Sekunde innezuhalten, und zu sehen wie es sich anfühlt „zu sein“. Du bist hier, oder nicht? Du kannst das nicht verleugnen, du bist hier. Warum kannst du das nicht verleugnen? Was ist das, in dir, das es dir unmöglich macht zu verleugnen, dass du hier bist? Warum bist du dir dessen so sicher? Wie fühlt es sich an, dessen so sicher zu sein? Und mache das sooft du kannst, weil es sich gut anfühlt, tust du es. Es fühlt sich nicht schlecht an, es fühlt sich gut an, tust du es. Du weißt, dass andere Dinge passieren, tust du es nicht, die sich möglicerweise nicht so gut anfühlen, aber es gibt keinen anderen Grund es zu tun, als dass es sich gut anfühlt, tust du es. Und wenn du dies lange genug machst (Gott weiß wie lange, das hängt von deinen persönlichen Anlagen ab), nach einiger Zeit, bevor du überhaupt wirklich weißt, dass es passiert ist, wird die Idee, dass du dein Leben bist, und dass alles in diesem Leben auf dem Spiel steht, verschwunden sein. Und der Tag wird kommen, an dem du sagen wirst „Weißt du was? Die Dinge sind lieblich, und waren es für eine lange Zeit. Es ist lange her, dass ich das Gefühl hatte, etwas beseitigen zu müssen um glücklich zu sein. Es ist lange her, dass ich das Gefühl hatte, es stände für mich etwas auf dem Spiel, in den Dingen die in diesem Leben geschehen, und das ist verdammt lieblich!“

Und ich erzähle dir noch etwas, nur eine Sache. Die meisten spirituellen Lehren und spirituellen Übungen beginnen mit einer plastischen Schilderung des großen Mysteriums, in welchem wir erscheinen und vergehen, der plastischen Beschreibung der Größe, der Unergründlichkeit, in welcher wir unsere Existenz als diesen individuellen Lebensapparat haben. Das ist die Ursache unserer Vorstellung, dass es das Erleben dieses Mysteriums, dieser Unergründlichkeit, dieser Größe und Weite wäre, in der wir unsere Rettung und Erlösung finden. Und wir verbringen, nur die Götter wissen, Lebensspannen (eine Lebensspanne ist wohl genug für jeden!) im diesem Versuch, dieses Mysterium zu erfahren, diese Größe, Gott,  Liebe, ewiges Sein, ewiges Bewusstsein, und wir leiden. Wir leiden.

Aber lasst mich dies sagen. Der Grund dafür ist, dass wir den Karren vor das Pferd spannen. Solange wir glauben, unser Leben zu sein, ist diese Weite unerreichbar für uns. So lange wir glauben, unser Leben zu sein, ist das große Mysterium der Wirklichkeit für uns unberührbar. Aber, wenn diese Überzeugung gewichen ist, wird die unendliche Klarheit der unberührbaren Wirklichkeit als immer vorhanden erkannt, nicht weit, nicht nötig erlangt zu werden. Hier, immer hier. Wir müssen aufhören den Karren vor das Pferd zu spannen. Wir müssen dort beginnen, wo wir stehen, wo wir in dieser dummen Überzeugung gefangen sind „Ich bin mein Leben.“ Wir müssen uns davon befreien. Und das ist einfach. Es ist so einfach wie von einem Stuhl zu fallen. Ehrlich, ich schwöre es euch. Es ist einfacher als ich es mir je hätte erträumen können.
So, das ist, für mich, die Selbst-Erforschung Ramana Maharshis, und es ist deine Selbst-Erforschung... deine. Es ist großes, mächtiges, enormes Glück, dass Ramana Maharshi über diesen heilende, lindernde, transformierende Erkenntnis stolperte — einfach, einfach, einfach. Und es ist großes, mächtiges, enormes Glück, dass wir davon hörten, als Ergebnis seines Stolperns. Es ist etwas getrübt durch das Unglück, dass wir denken, er sei ein spiritueller Guru gewesen, zumal er den Titel „Maharshi“ trägt, und er dadurch einer dieser indischen Gurus zu sein scheint, die in einem Lendenschurz dasitzen, und Frieden und Zufriedenheit predigen. Er bringt dir den Schlüssel zu ewiger Glückseligkeit, aber er kann ihn dir nicht geben. Und ich kann ihn dir nicht geben. Niemand kann ihn dir geben, und niemand kann ihn dir nehmen. Aber ich verspreche dir von ganzem Herzen, dass, wenn du dies tun wirst, wenn du immer wieder innehalten wirst, erscheint dir diese Möglichkeit, und die Wirklichkeit dessen schmeckst, was du bist, wiederholt, wirst du alles Elend und alles Leid innerhalb dieser Lebensspanne überwinden.

Okay, das ist alles was ich habe.

 

Übertragen ins Deutsche von: Tobias Knittel

2007 John Sherman. Alle Rechte vorbehalten.

 

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