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Ausbruch aus dem spirituellen Ghetto |
| Ein Treffen in Boulder, Colorado, am 28. Juni 2007
Seid willkommen, einfach willkommen. Entschuldigt, dass ich kichere; es ist einfach so wundervoll wieder hier in Boulder zu sein. Sind hier auch welche die noch nie mit mir zusammen waren? Wau! Das überrascht mich etwas, aber ist wirklich wundervoll. Ich sehe auch, dass eine Menge alter Freunde hier sind, einige der ältesten Freunde die ich in meinem Leben habe. Also lasst uns dann mit der Show beginnen. Wie ihr wisst bin ich seit ungefähr acht Jahren in dieser eigentümlichen Rolle, und mit der Zeit brachte sie mit sich, dass ich immer weniger zu sagen habe. Ich habe wirklich sehr wenig zu sagen; aber die eigenartige Sache daran ist, dass es scheint, je weniger ich zu sagen habe, umso mehr spreche ich. (Gelächter) Wir kommen gerade aus Chicago, wo ich fast gar nichts zu sagen hatte, und ich sprach anderthalb Stunden lang. Ich glaube ich werde so wie Fidel Castro. Ich glaube eigentlich nicht, dass ich hier so lange reden werde. So könnt ihr etwas... ausruhen. Ich komme hierher, wie ich überall hinkomme, um zu versuchen euch eine Hilfe zu sein. Ich bin kein Meister oder Guru, ich bin wirklich euer Diener. Und das ist der Grund, warum ich hierher komme: euch eine Hilfe zu sein. Euch, so klar und mit so wenigen Umwegen als möglich, eine Zusammenfassung dessen zu geben, was mir in diesem Leben, in diesem Zusammensein mit euch, über die Jahre klar geworden ist. Ich bin nicht sehr spirituell; ich habe mit spirituellen Diskussionen, Gesprächen und metaphysischen Spitzfindigkeiten wenig am Hut. Ich habe an dieses Dingen einfach kaum Interesse. Was mir, überdenke ich die Zeit, in der ich mich in dieser Rolle befinde, klar geworden ist, ist wirklich recht einfach. All die Verrücktheiten in unserem Geist drehen sich für mich um dieselbe Sache (alles was da an Verrücktheit ist, und an Wollen und nicht Wollen, und der Wunsch, nicht der zu sein, der ich bin), all die nützlichen und harmlosen Praktiken, denen wir uns hingeben, den Geist zu beruhigen (oder unseren Geist klarer zu machen, oder das Denken zu beenden, oder den Körper attraktiver zu gestalten, oder das Leben zu verbessern, eine bessere Partnerschaft zu erreichen, einen besseren Partner zu finden, mehr Geld zu verdienen, Ruhm zu erlangen, was auch immer, berauscht zu sein, all das was wir so tun), all die Bemühungen unseres Lebens; die Bemühung reich zu werden, berühmter zu werden, Liebe zu finden, oder das los zu werden, was ich nicht an mir mag, und das festzuhalten, was ich an mir mag, oder ekstatische spirituelle Erlebnisse zu haben, oder erleuchtet zu werden, oder den Geist zu beruhigen, oder den Körper zu stylen, all diese Dinge drehen sich für mich um dieselbe Sache. Es sind Dinge, die ich tue, um mich für mich selbst akzeptabel zu machen, zu versuchen mein Umfeld und meine Lage für mich akzeptabel zu machen. Und sie gehören für mich alle in dasselbe Schema. Sie sind in Ordnung. Es ist mit keinem von ihnen irgendetwas falsch. Es ist nichts falsch an spiritueller Meditationspraxis, es ist nichts falsch an Yoga; es ist nichts falsch daran, reich werden zu wollen; es ist nichts falsch daran, arm werden zu wollen; es ist nichts falsch daran zu versuchen die Welt zu retten. Es ist an nichts von all dem etwas falsch. Nun, lasst mich darauf zurückkommen, was wir durch sie nicht erreichen. Sie lösen das Problem nicht. Denn es gibt da ein Problem unter dem wir als menschliche Wesen leiden. Da ist ein Problem, ein Mangel, ein Gefühl das Leben sei ein unerfülltes Versprechen, unter dem wir als menschliche Wesen leiden; und egal was wir auch versuchen, dieses Gefühl, dass Leben ein unerfülltes Versprechen ist, bleibt im Hintergrund bestehen. Manchmal ist es sehr stark, und es erfüllt mich mit Sehnsucht, und Verlangen, und Kummer, und einem gebrochenem Herzen. Aufgrund des Schreckens, als Mensch geboren zu sein, und nicht fähig zu sein, aus den menschlichen Begrenzungen auszubrechen. Und, so sicher wie das Amen in der Kirche, wissen wir inzwischen, weil wir es schon seit tausenden von Jahren versucht haben, dass nichts was wir tun, um unsere Leben in Ordnung zu bringen, etwas am zugrunde liegenden Problem ändert. Denn das Problem hat nichts mit dem zu tun, was in unseren Leben geschieht. Es hat nichts damit zu tun, wie ich das handhabe, was in meinem Leben geschieht. Es hat nichts damit zu tun, ob mein Verstand verrückt spielt, wie ein Hamster im Rad läuft, und denkt, und denkt, und denkt. „Wau!“, „Ah!“, und dies, das, und noch etwas. Es hat mit all dem nichts zu tun. Das allem Kummer der menschlichen Existenz zugrunde liegende Problem ist ein Irrglaube, darüber, was wir sind. Und das ist keine Neuigkeit. Das ist nicht etwas, was uns nicht schon früher gesagt worden wäre. Und ich werde es euch noch einmal sagen. Das einzige Problem der menschlichen Existenz, die einzige Sache, die menschliches Dasein problematisch und unbefriedigend macht, ist ein Irrglaube darüber, was wir sind. Nun, haben wir irgendwann einmal spirituelle Übungen praktiziert, oder hatten irgendwann einmal ein Interesse an Spiritualität, erkennen wir das an. Wir sagen: „Oh ja, falsche Identifikation. Ich muss etwas dagegen tun. Ich muss mich vom Ego befreien!“ Ich sage euch, wirklich, dass das Ego kein Problem ist. Das Ego ist kein Problem. Das Leben ist kein Problem. Die Dummheit unseres Verstandes ist kein Problem. Unsere Habsucht, unsere Wolllust, unser Hass, und unsere Aggression, nichts von all dem ist ein Problem. Das Problem ist ein Irrglaube darüber, was ich bin. Und was ich fälschlicherweise zu sein glaube, ist kein Bestandteil meines Lebens, ein Aspekt meines Lebens (Ego, oder Gier, oder Enge, oder Minderwertigkeit). Was ich fälschlicherweise glaube zu sein hat nichts mit den Bestandteilen meines Lebens zu tun, welche sich letztendliche sowieso immer bewegen, verändern, kommen, gehen, heute hier, morgen weg. Ich wünschte es ginge, aber es bleibt: ich wünschte es bliebe, aber es geht. Was wir fälschlicherweise glauben zu sein ist unsere Leben, die Totalität unserer Leben, die Gesamtheit dieses individuellen menschlichen Bewusstseins, dieses ganze Universum das „meine Leben“ ist. Die ganze Vorstellung: die Geschichte, der Gedankenfluss, die Wünsche, die Aversionen, das Wollen, das Nichtwollen, das Bekommen, das Nichtbekommen, die Erinnerungen, die Projektionen, die Erwartungen, was ich mir für die Zukunft wünsche, was ich werden will, was ich mir wünschte ich wäre es nicht, was ich mir wünsche nicht getan zu haben, der ganze Raum in dem wir uns befinden. All diese menschlichen Eigenschaften, die jetzt gerade in unserem Geist sind, wie wir hier sitzen, das sind die Bestandteile unserer Leben. Die Sterne, die Sonne, der Mond, die Galaxien; was wir sehen, was wir wissen, was wir verstehen, was wir nicht verstehen, was wir uns zu verstehen wünschen, das Wünschen selbst, die Schönheit, die Stille, die Aggression, die Freundlichkeit, der endlose Lärm der Gedanken, alles davon. Nicht ein Teil, sondern alles davon. Ich glaube fälschlicherweise mein Leben zu sein. Es ist wirklich entscheidend, dass wir erkennen wie vollständig umfassend, fundamental und tiefgründig dieser Irrglaube ist. Wäre er ein Bestandteil meines Lebens, wäre es der richtige Weg, etwas an diesem Bestandteil zu verändern – indem ich versuche meinen Körper in Ordnung zu bringen, meinen Verstand zu beruhigen, oder das Ego zu beseitigen. Aber wenn er kein Bestandteil meines Lebens ist, sondern die Totalität meines Lebens, ist jeder Augenblick, den ich darauf verwende, mein Leben in Ordnung zu bringen, in der Hoffnung, dass dadurch das grundlegende Problem beseitigt wird, nutzlos. Es ist nicht der Versuch das Leben in Ordnung zu bringen, der das Problem verursacht, auch nicht das Leben in der Hoffnung zu verbessern, dass ich mich dadurch von der dem ganzen Menschsein anhaftenden Unzufriedenheit befreie. Jeder Augenblick, den ich damit verbringe, ist einfach vergebliche Mühe, und tatsächlich eine Verschwendung des Lebens selbst, Verschwendung der Lieblichkeit, und der Schönheit, und des Horrors, und des Dramas, und des Melodramas des Lebens selbst. Der Versuch das zu finden, was es zu beseitigen gilt, an was es festzuhalten gilt, und an dem festgehalten werden muss, egal zu welchen Kosten, all das ist selbst ein Teil meines Lebens, ein Ausschnitt, eine Charakteristik, die in meinem Leben auftaucht, mich als eine Person beschreibt, als einen Menschen, als einen die Gestalt ändernden Teufel. So, was tun? In der Bereitschaft zu erkennen, dass diese Möglichkeit viel tief greifender und grundlegender ist, als ich es mir vorgestellt hatte, wenn es wahr ist, dass das Problem der Irrglaube ist, ich wäre nichts anderes als mein Leben, da wäre nichts anderes als das, ja, was kann ich dann tun? Mir ist dieser Glaube nicht bewusst. Ich kann ihn nicht sehen, ich kann ihn nicht schmecken, ich kann ihn nicht berühren, und ich kann ihn nicht beschreiben. Er ist tatsächlich die Linse durch die ich mein Leben betrachte. Es ist als wie wenn ich diese Brille trage. Ziehe ich meine Brille aus, wird der ganze Raum verschwommen, weil ich kurzsichtig bin. Wüsste ich es nicht besser, würde ich denken, das wäre einfach so wie die Dinge sind. Ich kann meine Kurzsichtigkeit nicht sehen. Was ich sehe ist diese Verschwommenheit. Und ziehe ich die Brille wieder an, sehe ich wieder Schärfe. Immer noch schaue ich durch diese Linse. So ist der Irrglaube, dass ich mein Leben bin, die Linse durch die ich in meinem Leben wahrnehme, Eindrücke empfange, und agiere. Daran kann ich nichts ändern. Ich kann sie nicht beseitigen. Ich kann mich nicht irgendwie mit Gewalt, oder Willenskraft, oder durch ein fortgeschrittenes spirituelles Verständnis, von diesem Irrglauben befreien, denn das fortgeschrittene spirituelle Verständnis ist selbst etwas, was in meinem Leben aufgetaucht war; etwas das ich durch diesen Irrglauben als etwas sehe und wahrnehme, was ich wäre. „Nun bin ich der mir dem fortgeschrittenen spirituellen Verständnis.“ „Nun bin ich der, der glaubt unendliches, strahlendes, ewiges Bewusstsein zu sein.“ So, was tun? Nun, was getan werden kann, ist wirklich altbekannt, und wird gerne übersehen. Was getan werden kann, die einzig mögliche Heilung für diesen Irrglauben, die einzige mögliche Lösung, ist die Wahrheit. Nur das: die Wahrheit. Um mich von der Lüge zu befreien „Ich bin mein Leben“ (und wenn ich mich davon befreie, beweist das, dass es eine Lüge war), muss ich dies tun, indem ich die Wahrheit dessen betrachte, was ich bin. Nichts anderes könnte möglicherweise funktionieren. Das ist wirklich nahe liegend, und einfach, bedenkst du es. Nichts anderes kann möglicherweise helfen, mich von der Lüge zu befreien, mein Leben zu sein, und die Lüge, dass ich mein Leben sei, bewirkt den Eindruck, dass für mich etwas im Leben auf dem Spiel steht, dass ich es richtig machen muss. Ich muss dieses Leben korrigieren, weil für mich etwas auf dem Spiel steht; und wenn ich etwas falsch mache, Gott helfe mir, komme ich in die Hölle. Und wenn ich etwas richtig mache, komme ich vielleicht in den Himmel, oder ins Nirwana, oder in etwas vergleichbares. Aber es steht hier etwas für mich auf dem Spiel. Jeder Augenblick meines Lebens, jeder Gedanke der durch mein Gewahrsein huscht, redet mir das ein, etwas steht auf dem Spiel, ist in Gefahr. Und das ist die Essenz des Problems. Es ist dieser zugrunde liegende Eindruck, es stände etwas für mich auf dem Spiel, der mich in erster Linie in diesen gemeinen und unbarmherzigen inneren Kampf treibt, in dem ich versuche all die schlechten Eigenschaften an mir zu zerstören, und die guten Eigenschaften zu stärken. Dieser gemeine, unbarmherzige, gnadenlose innere Kampf wird auf die Bühne der gesamten menschlichen Existenz projiziert; und er treibt mich dazu, dir dein Geld wegzunehmen, oder dein Leben zu nehmen, oder dich zu bekämpfen. Er besteht aus nichts anderem, als diesem Gefühl, dass ich es richtig machen muss, da ich mein Leben bin, da ich diese Geschichte bin, dieses Bewusstsein, und diese Meinung. Nun, die Möglichkeit mich von dieser Lüge zu befreien, ist eigentlich die einfachste Sache der Welt, ich meine die Aufgabe die Wahrheit dessen zu sehen, was ich bin, ist einfach, einfacher sogar als die Fähigkeit, sie zu verstehen. Es ist nicht schwer. Es bedarf keiner Verdienste, es bedarf keines Verständnisses, ich brauche nichts an all den anderen Dingen, die ich in meinem Leben tue, zu verändern. Ich brauche mich nicht von Falschheit zu befreien, oder mich in einen guten Menschen verwandeln; ich brauche meinen Verstand nicht zu beruhigen, ich brauche das alles nicht zu tun. Gut, ich brauche nur auf mich zu schauen, direkt, Angesicht zu Angesicht, mit weit geöffneten Augen. Und die wirklich gute Nachricht, die herrlich gute Nachricht, ist, dass – nun – dass das einfach ist, richtig? Ich meine, ich bin hier, richtig? Ich bin nie nicht hier. Ich bin nie abwesend, ich fehle nie. Es gibt es keinen Augenblick, in der ganzen mir bewussten Zeitspanne, es gibt keinen Augenblick im Leben, in der Welt, zu dem ich nicht hier wäre. Hier bin ich, unverändert. Ich bin derselbe, der ich war, als ich drei Jahre alt war. Es ist nicht so, du weißt schon, dass ich einen neuen Trick oder so etwas lernen müsste. Ich bin hier – aus sich heraus, zweifellos, offensichtlich, jenseits jedweder Möglichkeit es zu bestreiten; ich bin hier. Ich kann bestreiten, dass ihr hier seid. Wirklich! Ich kann bestreiten, dass ihr hier seid. Ich könnte auf eine Untersuchungsliege in Gitmo geschnallt sein, voll gepumpt mit halluzinogenen Drogen, und so könnte das Resultat aussehen. Ich könnte sogar ganz anders aussehen. (Gelächter) Dieser Körper selbst könnte eine Täuschung sein. Meine Gedanken könnten Eindringlinge aus einer anderen Quelle sein. Meine Gedanken kommen und gehen. Mein Körper verändert sich. Du bist heute hier, morgen weg. Aber ich? Ich bin immer hier. Mag es oder nicht, nie abwesend. Wenn hier irgendjemand irgendeinen Zweifel an seiner Existenz hat, soll er sich melden. Wenn hier irgendjemand irgendeinen Zweifel an seinem Dasein hat, soll er sich melden. Aber ich muss erst noch jemanden treffen, der bestreiten kann, dass er ist. Ich traf nie jemanden, in der ganzen Zeit in der ich über diese Dinge sprach. So, wenn ich immer hier bin, wenn ich aus sich heraus offensichtlich hier bin, wenn mich nichts vom Gegenteil überzeugen kann, wie schwer kann es dann sein, auf mich zu schauen. Wie schwer kann das sein? Es ist einfach! Halte einfach für eine Sekunde inne, schaue und sehe. Ist es nicht wahr, dass du hier bist, wie du immer hier gewesen bist? Ist es nicht wahr, dass du dich nie verändert hast, dass du nie beeinträchtigt wurdest? Weder dir durch irgendetwas in irgendeiner Weise geholfen wurde, noch du verletzt wurdest? Ist das nicht wahr? Und was ist das? Das bist du. Ich kann für einen Augenblick einfach innehalten, und einen Eindruck davon bekommen. Nun, die Tatsache ist, dass ich mich nicht genau erkennen kann, weil ich so töricht verliebt in dieses Leben bin, und aufgrund meiner Sucht nach ihm (und meiner Überzeugung es zu sein), aber ich kann einen Eindruck davon erhalten, was das ist, hier zu sein. Ich kann es, einfach nur für eine Sekunde, tun. Und dann kommen natürlich wieder die Gedanken, und was das bedeutet, und was das ist, und wie das mit anderen spirituellen Lehren im Einklang steht, oder ihnen widerspricht, und was das wieder bedeutet; wie es mit einer anderen Idee im Einklang steht, und meinem Leben, und was das mir bedeutet. Und wie mache ich das, und was bedeutet das, und all diese Dinge. So, ich habe mich aus den Augen verloren, aber nicht wirklich. Es gibt nie einen Augenblick, nie eine Millisekunde, nie eine Nanosekunde, in der du dir nicht bewusst über dich bist. Aber das beunruhigt mich, und ich falle in die Gedanken, und ich folge den Gedanken, und ich kehre zum Versuch zurück, mich in Ordnung zu bringen; ich kehre zu Versuch zurück, besser zu werden, ruhiger zu werden, oder klarer zu werden, oder mehr charismatisch zu werden, oder zu irgendetwas zu werden. Aber trotz all dem habe ich direkt, bewusst, mit voller Absicht, auf mich geschaut und die Wahrheit dessen gesehen, was ich bin. Das ist geschehen. Und ein paar Tage später, oder ein paar Minuten später, oder ein paar Wochen später, fällt mir ein, es wieder zu tun, kann ich wieder anhalten. Und ich kann einfach sagen, „Warte, halte es fest. Halte es einfach für eine Sekunde fest. Habe ich mich verändert? Gibt es da irgendetwas an mir, das nun anders ist, nur weil ich die letzten zwei Wochen damit verbracht habe irgendwelche Dummheiten zu begehen? Hat mich das verletzt? Hat mir das geholfen? Bin ich nicht hier? Bin ich nicht derselbe?“ Und ich komme zum selben Ergebnis: „Ah! Ja! Ich bin hier! Ja, ich bin.“ Und nun meine Sicht. Diese Momente der Klarheit sind das, wovon wir im spirituellen Bereich, als „ein flüchtiger Blick erhaschen“ sprechen. Und wie wir in die Überzeugung zurückkehren, dass wir dieses Leben sind, beschließen wir, dass, wenn ich jemals frei sein wollte, ich etwas tun müsste, damit ich meine Aufmerksamkeit dauerhaft auf dieser Wahrheit festhalten kann, und mir verweigern müsste, meine Aufmerksamkeit auf Gedanken, Wünsche, Dummheiten, Schmerz, Leid, egal was, zu richten. Und das ist eine Lüge. Das ist Teil der Lüge „ich bin mein Leben“. Die Wahrheit beendet die Lüge! Aber nicht wie ein Blitzschlag, nicht mit einem Knall: „Ich bin erleuchtet!“ Bum! „Ich bin verwirklicht!“ Bum! „Ich bin erwacht!“ All meine Verwirrung ist verflogen. Da ist nichts außer Klarheit. All meine Selbstsucht ist vergangen. Es ist nichts mehr hier außer Erbarmen, und Liebe, und mildem Verstehen, und offenherziger Großzügigkeit. Das ist was wir erwarten. Die Wahrheit zerstört die Lüge, aber sie „weckt dich nicht auf“, da du nie geschlafen hast. Wahrheit zerstört die Lüge, aber es braucht Zeit, bis diese Lüge verzehrt ist. Du kannst diese Lüge nicht einmal sehen. Das gibt es nichts, was du bezüglich dieser Lüge tun könntest, als das: Schaue auf dich selbst, schmecke dieses Wasser der Wirklichkeit, von Permanenz und Unveränderlichkeit, wann immer du kannst, wann immer dir diese Möglichkeit erscheint. Es spielt keine Rolle, was du zwischen diesen Zeitpunkten tust. Nichts von all dem, was du zwischen diesen Zeitpunkten tust, hat irgendeine Auswirkung auf dich. Es beeinträchtigt dich nicht, und es hilft dir nicht. Das einzige, was du tun kannst, und was von irgendeiner was auch immer Konsequenz ist, ist es einen Augenblick innezuhalten, und auf dich zu schauen. Schaue auf das was wirklich ist: schaue auf das was permanent ist, und schaue auf das, was sich nicht verändert. Das ist meine Erfahrung, und die Erfahrung von vielen der Menschen, die mit mir zusammen waren. Mit der Zeit wird die Lüge, dass du dein Leben bist, verschwinden, und dein Leben wird sich als lieblich und einfach zeigen, bevor du überhaupt weißt, dass sie gegangen ist, egal wie hart das Leben sein mag. Lieblich und einfach. Dein Leben wird sich als ein Umfeld herausstellen, in dem für dich nichts auf dem Spiel steht, als tödliche Bedrohung, einfach nur Leben. Wir haben diese spirituellen Vorstellungen über diese Dinge, wie „Leben ist schlecht“, und das Gütesiegel des Erwachens, der Realisation, und Klarheit, ist Abgesondertheit und eine Art Widerstreit zum Leben, und wie es sich entfaltet, und seine Dummheit. Die Vorstellung die wir haben, oder ich zumindest in meiner Erfahrung, die Vorstellung die ich einst hatte war, dass eines Tages dieses ganze Leben transformiert wird, oder transzendiert, in etwas anderes verwandelt wird, etwas neues, und ich nicht länger von seiner Barmherzigkeit abhängen würde. So wie der Irrglaube, die Lüge, dass du dein Leben bist, weggewischt ist, wirst du dich, so wie ich es erlebt habe, natürlich, und ohne irgendeine Anstrengung (du brauchst nicht einmal zu wissen, dass sie weg ist) einfach in dein Leben entspannen, dich darin zurücklehnen, auf eine vertrautere Weise, als du dir das möglicherweise vorstellen kannst. Und, was ich verspreche, in der Abwesenheit dieser Vorstellung, wird das Gefühl, es stehe etwas für dich in diesem Leben auf dem Spiel, verschwinden: dieser gemeine, rücksichtslose, gnadenlose innere Krieg, der in dir stattfindet, in welchem du am Guten festhältst und das Böse tötest, wird sich, als sei er ein Alptraum gewesen, auflösen. Und dein ganzes Verlangen deinen Nächsten zu verletzen, etwas zu tun deinen Nächsten zu entwürdigen, um dich zu erhöhen, wird ebenso wie ein böser Traum vergehen, weil wir in diesem alle verbunden sind – und du weißt das. Nun, das ist die Praxis der Selbst-Erforschung, wie Ramana Maharshi sie auf den Kopf gestellt hatte. Das ist die Weise, wie ich über die Praxis der Selbst-Erforschung spreche. Und du kannst zurückkommen, und dein Geld zurückverlangen (auch wenn ich nichts berechnet habe), kannst du diese Übung durchführen und zu mir zurückkommen, mit der Aussage: „Weißt du was; alles ist beim Alten; ich hasse es hier zu sein; ich hasse es ein Mensch zu sein!“ Und ich sage euch noch etwas: da ist nichts spirituelles an der Selbst-Erforschung. Sie ist nicht im geringsten spirituell. Sie ist vollständig praktisch. Sie ist eine Methode mit der du die Lüge zerstören kannst, dein Leben zu sein. Und ich habe einen Vergleich, den ich überall sonst benutze (so werde ich das auch hier tun), um zu darzulegen, dass sie nichts mit Spiritualität zu tun hat. Es gibt keine Spiritualität, das ist alles eine Erfindung. Es gibt dich – und das ist alles. Es gibt nichts anderes als dich. Das ist alles was es gibt. Selbst-Erforschung ist wie Medizin. Sie ist nicht wie eine spirituelle Praxis. Du betreibst sie nicht um dein Leben zu verbessern, das schwöre ich bei Gott. Du betreibst sie nicht um anstatt schlechter Erlebnisse bessere Erlebnisse zu haben. Du betreibst sie um dich von dieser Krankheit zu heilen, der Lüge, dass du dein Leben seiest. Und se ist wie jede andere Medizin. Werde ich krank, und fiebrig, und habe Schmerzen, und fühle mich ekelhaft, nun, dann weiß ich, dass ich krank bin, und ich mag vielleicht sogar eine Ahnung davon haben, was mir fehlt, aber ich weiß nichts über die große Schlacht, die in meinem Körper stattfindet, und die Art und Weise, in welcher die die Krankheit verursachenden Keime vorgehen, und die Art und Weise, in der sich der Körper wehrt, und was das ist, dass mich krank machte, fiebrig, und voller Schmerzen. Ich habe kein bewusstes Gewahrsein darüber. Und wenn ich zum Arzt gehe, redet er mit mir und sagt: „Also höre mal zu. Du musst diese Antibiotika über diese Zeitperiode nehmen, in der und der Menge.“ Und ich beginne die Antibiotika zu nehmen. Ich habe keine bewusste Wahrnehmung über den Krieg, der immer noch in meinem Körper ausgefochten wird, nun aber mit Hilfe dieser giftigen Wesen, die herbeieilen und die bösen Buben niedermachen. Ich habe keine Ahnung, was da alles stattfindet, nehme ich die Antibiotika; heute fühle ich mich schlecht, morgen fühle ich mich etwas besser, am Tag danach ein bisschen besser, noch ein Tag später wieder ein wenig besser, und bevor ich überhaupt weiß, dass die Krankheit verschwunden ist (ich nehme immer noch die Antibiotika), fühle ich mich gesund. Ich bin wieder mein altes Selbst. So ist Selbst-Erforschung. Sie ist wie Medizin. Du nimmst sie nicht um high zu werden. Du nimmst sie nicht um spirituell zu werden. Du nimmst sie nicht um Ekstase, Entzücken, Wonne oder ozeanisches Bewusstsein zu erleben. Du nimmst sie, um dich von dieser Krankheit zu heilen, und du tust das so oft du kannst. Und, wie bei einem Antibiotika, egal was du davon verstehst, egal wie richtig oder falsch dein Verständnis darüber sein mag, was geschieht, einfach die Medizin zu nehmen, einfach unmittelbar auf dich zu schauen, wird die Krankheit heilen – und sie wird verschwunden sein, bevor du weißt, dass sie verschwunden ist. Und schlussendlich wirst du sehen, um was es bei all dem geht, und du wirst das Leben als lieblich empfinden, genau so wie es ist. Und wenn du weiterhin mit Meditationspraktiken fortfahren willst, dann wirst du ihre Nützlichkeit erkennen, welche nicht darin besteht, dich zu erleuchten, oder dich von Missidentifikation zu befreien. Sie besteht einfach darin, dich etwas besser zu fühlen, dich ein wenig klarer zu machen, ein wenig ruhiger. Und wenn du, mit egal welcher deine Übungen, weitermachst, wirst du erkennen für was sie da sind, was ihr Zweck ist, und nicht denken, dass hier etwas für dich auf dem Spiel steht. So, das ist alles, worüber ich etwas zu sagen habe: diese Medizin, dieses unfehlbare Schwert Ramana Maharshis. Diese unfehlbare Methode, die wirklich garantiert das Elend in deinem Leben beenden wird; und sie wird ebenso garantiert die Vorstellung beenden, dass dir etwas fehlt. Aber sie wird dich auch nicht in einen Sünder verwandeln. So, ich habe nicht anderthalb Stunden lang gesprochen.
Übertragen ins Deutsche von Tobias Knittel. © 2007 John Sherman. Alle Rechte vorbehalten.
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A Worldwide Meeting - July 10, 2010 My role in this adventure of trying to bring the simplicity of this work to every human being is not to concoct teachings, ways of looking at things, instructions and practices that are my creation, and then pass them on to you for you to receive gratefully, and try to make sense of. My role here is actually to distill and articulate the product of an ongoing conversation among all of us, over a period of more than ten years now, about the discovery that bringing an end to misery in a human life is actually not only possible but easy and simple, and can be done by anyone. It requires nothing at all to accomplish this except the determination to do one simple, solitary, radical act, and that is to turn the beam of your attention onto the feeling of being you. That's it. In the end, and against all odds and all expectation, this repeated act will bring sanity into your life. It will eliminate the underlying sense that life is treacherous and not to be trusted, and that something desperately needs to be done about it. Complete, live recording of a Worldwide Online Meeting with John Sherman broadcast live from Ojai, California on July 10, 2010. |
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Our Work First, last, and always, my advice is only to look at the feeling of being you, without the mediation of understanding, the need to resolve paradox, or the requirement that this looking lead to any conclusion. Simply make every effort just to look, and persist in that effort as often as you can. In this effort, understanding is irrelevant, belief is irrelevant, even duration is irrelevant — the briefest look, repeated over time, does all the work. A Message from John Sherman, videotaped in Ojai, California on May 15, 2009. |
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