RiverGanga Foundation
Autobiographie

John Sherman

Im Sommer 1942 wurde ich in Camden, New Jersey geboren. Als Kind von Eltern, über die ich kaum mehr weiß, als was mir von anderen Menschen über sie erzählt wurde. Als ich drei oder vier Jahre alt war, schieden sich Vater und Mutter. Ich wurde zu meiner Großmutter (einer streng evangelischen Christin) und meinem Großvater gebracht, um dort aufzuwachsen.

Als ich ungefähr zehn Jahre alt war starb mein Großvater, und meine Mutter kam in die Stadt zu seiner Beerdigung. Bald danach verheiratete sie sich wieder, mit einem freundlichen Mann, einem Werkzeugmacher von Beruf. Dieser schenkte mir viel, auch die Möglichkeit das Leben aus einer philosophischen Perspektive zu betrachten. Sie nahmen mich zu sich, weg von meiner Großmutter, und innerhalb des nächsten Jahres zogen wir,  meine Mutter, mein Stiefvater und ich, nach Südkalifornien.

Als ich sechzehn war, in der zehnten Klasse, stahl ich das Scheckbuch meiner Eltern, buchte einen Flug nach New York, mit einem ungedeckten Scheck, quartierte mich im Plaza Hotel ein, wo ich mir eine neue Garderobe zulegte, ins Theater (J.B.) ging, nur vom Feinsten speiste und trank, und eine 2500 Dollar Patek Phillipe Uhr im Juwelierladen des Hotels erstand. Dies alles bezahlt mit ungedeckten Schecks aus dem Scheckbuch meiner Eltern (damals war es einfacher für einen jugendlichen Hochstapler). Der Kauf der Uhr brachte das Fass zum Überlaufen, Hotelsicherheitsleute eilten hinzu, tätigten ein paar Telefongespräche nach Kalifornien und nahmen mich mit. Letztendlich  riefen sie meine Großmutter an, die so viel Geld organisierte, um mich freizukaufen und mir eine Bahnfahrkarte zu sich besorgen zu können.

Ich lebte eine Weile bei meiner Großmutter, hatte eine Affäre mit einer verheirateten Frau, wurde von ihrem Ehemann (einem Ex-Marine) erwischt, floh in die Armee, wo ich ungefähr drei Jahre, mehr schlecht als recht, in Deutschland diente.

Nach meiner Entlassung aus der Armee kehrte ich nach New Jersey und zu meiner Großmutter zurück, und bewarb mich als Maschinenschlosserlehrling in einer Schiffswerft in Camden, New  Jersey, wo schon mein Großvater gearbeitet hatte. Ich lernte damit ein solides Handwerk, auf das ich zurückgreifen konnte, hatte eine Reihe besserer und schlechterer Jobs, und einige leichtsinnige Abenteuer. Bald nach Beendigung meiner Ausbildung arbeitete ich eine Weile für einige Rechtsanwälte und beschwatze Unfallopfer, Klage zu erheben; dann als Nachtschichtleiter in  einer Maschinenfabrik von Thompson-Ramo-Wooldridge. Nur kurze Zeit, und ich machte mich, zusammen mit einer Mitarbeiterin von mir (die gerade ihren Mann verlassen hatte) auf den Weg nach Südkalifornien, wo ich eine Karriere als Pokerspieler als auch Kreditkarten- und Scheckbetrüger einschlug. Diese Karriere währte nicht lange.
Als die Polizei den Hehler- und Scheckbetrügerring zerschlug, deren Dienste ich immer in Anspruch nahm, entkam ich um Haaresbreite, mit einer anderen Frau, die selbst auf der Flucht vor ihrem Mann war, und ihren drei Kindern im Schlepptau. Ich nahm einen Job in einem Kopierladen an, wurde aber bald verhaftet, als der Wagen, den ich fuhr, von der Polizei in Oregon überprüft wurde, und sich als mit einem ungedeckten Scheck in Kalifornien  bezahlt herausstellte. Ich wurde des Transportes eines gestohlenen Fahrzeugs angeklagt und nach Portland, Oregon, zu einem Verfahren am Bundesgericht gebracht. Ich bekannte mich schuldig, in der Hoffnung mit Bewährung davonzukommen, wurde jedoch stattdessen von einem Richter namens Salomon zu drei Jahren Gefängnis in der Bundesvollzugsanstalt McNeil Island verurteilt.

In McNeil schloss ich einige Freundschaften, gemeinsam engagierten wir uns, lasen Marx und Engels, Lenin und Mao, sahen uns immer mehr als politisch statt kriminell an, und schlussendlich zettelten wir einen dreizehn Tage dauernden gewaltlosen Arbeitsstreik an, mit dem Ergebnis, dass ich in Einzelhaft verlegt, und mir gesagt wurde, dass ich dort bis zu meiner Entlassung bleiben würde. Ein Versprechen das gehalten wurde.

Nach achtzehn Monaten Einzelhaft wurde ich aus McNeil entlassen, tat mich wieder mit meiner Freundin zusammen, mit der ich aus Kalifornien geflohen war, arbeitete dann für Boing als Maschinenbautechniker in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, und trat der Revolutionären Kommunistischen Partei (RCP) bei. Nach ein paar Jahren verließ ich die RCP wieder, wegen einer ideologischen Meinungsverschiedenheit, und engagierte mich kurz darauf in einem bunten Haufen von Anarcho-Kommunisten, die sich um einen alten Kameraden aus McNeil gruppierte, und die sich ganz unbescheiden die „George Jackson Brigade“ nannte. Nicht lange und ich hatte sie überzeugt, ihre anarchistische Art, Supermärkte und dergleichen zu bombardieren, aufzugeben, wo arme Leute und  Arbeiter einkaufen gehen, und stattdessen die Sabotage der Stromversorgung des reichsten Stadtteils von Seattle, Laurelhurst, zu planen, durch die Unterstützung eines Streiks der Arbeiter des Elektrizitätsversorgers. Wir dachten dies würde den Bewohnern des Stadtteils den Grad der Abhängigkeit ihres Wohlstandes von der Arbeit anderer verdeutlichen. An Sylvester 1970 stellten wir den Strom ab, nachdem wir Polizei und Nachrichten informiert hatten, um sicherzustellen, dass  die Aktion life und in Farbe im Fernsehen übertragen wurde. Es war ein spektakulärer Erfolg. Der Streik beruhigte sich bald wieder, und wir gingen dazu über Banken zu überfallen. Weniger als einen Monat nach Laurelhurst versuchten wir eine mobile Bank in Tukwila, Washington, auszurauben und wurden dabei auf frischer Tat ertappt. Einer von uns wurde dabei getötet, ich in den Kiefer geschossen. Mein langjähriger Kamerad und ich kamen gemeinsam wieder ins Gefängnis.

Ich blieb nicht lange eingesperrt. Ungefähr sechs Wochen nach meiner Verhaftung floh ich mit der Hilfe von Kameraden, die zuvor der Gefangennahme beim Banküberfall entkommen waren. Wir verließen die Stadt für eine Weile, um unsere Wunden zu lecken und wieder zu Kräften zu kommen. Ungefähr ein Jahr später begannen wir wieder Banken auszurauben, Einrichtungen des Kapitals zu schädigen, und Entsetzen unter unseren Gegner zu verbreiten. Ein Jahr oder so gelang es uns aktiv zu bleiben, bevor wir wieder verhaftet, vor Gericht gestellt, und zu Gefängnis verurteilt wurden (die Verhandlungen wären eine eigene Geschichte wert, aber das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen). Nach den Verhandlungen, noch vor der Überführung ins Gefängnis, heiratete ich die für uns vom Gericht bestellte Untersuchungsbeamtin in einer Feier am Bundesgerichtshof, umgeben von schwer bewaffneten FBI Agenten, eine wahre „Eilhochzeit unter Kanonen“.

Ich wurde zu dreißig Jahren Haft verurteilt — ein Akt der Milde, über den den Staatsanwalt fast der Schlag traf — und in das Gefängnis von Lompoc gebracht, aus dem ich mit Hilfe meiner neuen Frau nach wenigen Monaten entkam.

Nun wurde ich auf die FBI-Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher gesetzt, (das war unheimlich), doch ich entschloss mich nun sauber zu bleiben, was mir auch gelang. Wir zogen nach Golden, Colorado und ich nahm eine Arbeit als Feinmechaniker bei Sundstrand, einem Luft- und Raumfahrtunternehmen in Denver an. Alles lief recht gut, bis zu dem Zeitpunkt, als ich den Versuch unternahm, dieses extrem antimitspracherechtlich eingestellte Unternehmen gewerkschaftlich zu organisieren, und das im gewerkschaftsfeindlichen Staat Colorado. Ich wurde gefeuert, aber später mit einer ansehnlichen Entschädigung, wegen Übertretung der Arbeitnehmerschutzgesetze, belohnt, die eine Entlassung wegen Gewerkschaftsaktivitäten als unrechtmäßig bestimmen. Ich hatte die sehr hohe Produktivität und Sachgerechtheit meiner Arbeit aufgezeichnet, was es für Sundstrand unmöglich machte einen plausiblen Kündigungsgrund nachzuweisen.

Ein paar Jahre nach meinem Ausbruch aus Lompoc machten wir einen Fehler, wir wurden verhaftet, und ich in das Bundesgefängnis in Marion, Illinois, gebracht, seinerzeit mit dem Ruf die übelste Haftanstalt zu sein. Im Haftvollzugssystem ist es üblich, Gefangene regelmäßig alle paar Jahre zu verlegen. In Haft war ich über die Jahre: Lewisburg, Pennsylvania; Atlanta, Georgia; Talladega, Alabama; Terre Haute, Indiana; El Reno, Oklahoma; Bastrop, Texas; Sheridan, Oregon; Englewood, Colorado, und zu Schluss in Florence, Colorado.

Fünfzehn Jahre nach meiner Verurteilung kam Gangaji ins Bundesgefängnis in Eaglewood, Colorado. In ihrer Gegenwart entdeckte ich mich selbst, als Friede, Freiheit und Liebe ohne Bedingung.

Dreieinhalb Jahre nach der Begegnung mit Gangaji wurde ich aus dem Gefängnis entlassen und arbeitete für die Gangaji Stiftung in Boulder, Colorado. Sechs Monate später wechselte die Stiftung nach Kalifornien, und ich mit ihr.

Carla ShermanAn einem Freitagnachmittag, im Jahre 1999, entdeckten Carla und ich ohne Vorzeichen, dass wir füreinander bestimmt waren.  Am darauf folgenden Montag gaben wir unseren ersten öffentlichen Satsang, und am Mittwoch heirateten wir im Garten des Hauses unseres Freundes mit Sicht über die San Francisco Bay. Seitdem waren wir immer zusammen, bieten Satsang an, und seit August 2001 leben wir in Ojai, Kalifornien mit unserer großartigen Katze Switters.


Switters

 

 

 

 

Übertragen ins Deutsche von Tobias Knittel.

© 2006 John Sherman. Alle Rechte vorbehalten.

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    Worldwide Online Meeting

    Saturday, September 11 at 4 pm PDT (UTC/GMT -7)

    People all over the world gather together with John for a couple of hours. John is available to listen to your questions, and to help you sort out any difficulties you might experience in your own practice of looking at yourself.

    This is very much like a call-in radio show. If you simply want to listen to the meetings, all you need to do is to install the software and have speakers attached to your computer. If you wish to speak with John, then you will need a headset with microphone. You can also use earbuds and a microphone.

    All our events are always free of charge. Spontaneous donations for the support of our work are always welcome and gratefully accepted.

    All are welcome, with no regard for religious and spiritual beliefs and practices.

     

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    We receive many, many beautiful and useful letters.  Every month we try to feature one here that seems especially valuable and instructive for one reason or another.
    Podcast

    A Worldwide Meeting - July 10, 2010

    My role in this adventure of trying to bring the simplicity of this work to every human being is not to concoct teachings, ways of looking at things, instructions and practices that are my creation, and then pass them on to you for you to receive gratefully, and try to make sense of. My role here is actually to distill and articulate the product of an ongoing conversation among all of us, over a period of more than ten years now, about the discovery that bringing an end to misery in a human life is actually not only possible but easy and simple, and can be done by anyone. It requires nothing at all to accomplish this except the determination to do one simple, solitary, radical act, and that is to turn the beam of your attention onto the feeling of being you. That's it. In the end, and against all odds and all expectation, this repeated act will bring sanity into your life. It will eliminate the underlying sense that life is treacherous and not to be trusted, and that something desperately needs to be done about it.

    Complete, live recording of a Worldwide Online Meeting with John Sherman broadcast live from Ojai, California on July 10, 2010.

    Video Blog

    Our Work

    First, last, and always, my advice is only to look at the feeling of being you, without the mediation of understanding, the need to resolve paradox, or the requirement that this looking lead to any conclusion. Simply make every effort just to look, and persist in that effort as often as you can. In this effort, understanding is irrelevant, belief is irrelevant, even duration is irrelevant — the briefest look, repeated over time, does all the work.

    A Message from John Sherman, videotaped in Ojai, California on May 15, 2009.

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    The only problem anywhere to be found is the false belief that you are at the mercy of your life, and the only solution is the truth, which is everywhere and always present and self-evident. Ridding oneself of the false is as easy as repeatedly tasting the truth of being here, unmovingly, unchangingly here. This repeated looking directly at oneself is the infallible method of the vichara.

    Although our meetings are free of charge, they are certainly not free of cost. The money needed for this work must come entirely from the generosity and compassion of those who, like us, have seen for themselves the immense worth of spreading this good news to all humanity.

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